So funktioniert Orbáns Kommunikation

In Ungarn läuft jetzt in TV und Radio die neue Kampagne der Regierung: Unter dem Titel „Lassen wir die Erpressung nicht zu! Verteidigen wir Ungarn!“ wird wieder Stimmung gemacht gegen die „Einwanderungsparteien“, die die Mehrheit im Europäischen Parlament bilden und die Ungarn zum Schweigen bringen wollen, weil sie (die Ungarn) mit einem Zaun ihre Heimat und Europa verteidigen. Diese Kampagne zeigt einmal mehr, wie die Kommunikationsstrategie Orbáns funktioniert:

Polarisierung
Die zentrale Botschaft: Wir gegen alle anderen. Fidesz hatte bei den Parlamentswahlen 2010, 2014 und 2018 jeweils zwischen 2,2 und 2,8 Millionen Wähler_innen. Für diese Gruppe wird Politik gemacht, die anderen sind „Volksfeinde“ bzw werden demobilisiert.

Verschwörung
Der Hauptfeind Ungarns bleibt George Soros. Er steht hinter allen ungarnfeindlichen Initiativen Europas und auch der UNO, meint die ungarische Regierung. Die Budapester Gratiszeitung „Lokal“ spricht vom „Soros-Sargentini-Bericht“. Und jeder, der sich kritisch über die ungarische Regierung äußert, ist ein „Verräter“, ein Linkslinker bzw im Fall der Österreicher ein „Labanz“.

Kampagnisierung
Jede politische Diskussion wird über emotionalisierende, polemische Kampagnen geführt. Mit Regierungsgeldern und Pseudo-Volksbefragungen. Gegen den vermeintlichen „Soros-Plan“, gegen die EU („Stoppt Brüssel!“) oder gegen die UNO.

Medienmonopolisierung
Allein seit der Parlamentswahl im April haben mehrere wichtige regierungskritische TV-Stationen und Onlinemedien (zB HírTV, Index) den Besitzer gewechselt und stehen nun im Einflussbereich von Orbán-Freunden. Selbst die interessierte Bevölkerung hat kaum mehr Zugang zu Informationen, die nicht aus dem regierungsnahen Umfeld kommen.

Interessant zu beobachten, wie weit politische Parteien oder Bewegungen in anderen Ländern ähnliche Kampagnenstrategien einsetzen.

 

Foto von Elekes Andor – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Lizenz